Bündnis für alternative, unabhängige und fortschrittliche Kommunalpolitik
Bündnis für alternative, unabhängige und fortschrittliche Kommunalpolitik

Die Aktion zum Internationalen Frauentag 2016 hat erfolgreich stattgefunden. Hier der Link zu einer Bilderstrecke, die der Bürgerreporter Gottfried Czepluch auf "Lokalkompass" eingestellt hat:

Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, gehen Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt auf die Straße. Seit über 100 Jahren organisieren wir uns und kämpfen gemeinsam. Wir fordern echte Gleichberechtigung und die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Wir wollen eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Natur. Die weltweite Vernetzung der Frauenbewegung nimmt einen Aufschwung! Überall kämpfen die Frauen und Mädchen und machen sich stark für ihre Rechte. Frauen haben schon viel erreicht, aber noch nicht genug.

Her mit dem ganzen Leben – wir wollen BROT und ROSEN!

 

Der 8. März 2016 ist ein besonderer Tag für uns Frauen. Denn kurz danach, vom 13.-18. März, findet die 2. Weltfrauen-Konferenz der Basisfrauen in Nepal statt!

 

Aktionsbündnis 8. März 2016
Courage Essen, Ceni/kurdische Frauen, Yüksel Findik-Dotten/MLPD Essen, Essen steht AUF, Open Your Eyes (Dancers), Joe Coka (Trommler), Ilse Sträter (Malerin), Ulrich Sträter (Autor), Bärbel Kläßner (Autorin)

Gegen Gewalt an Frauen – gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit – aufstehen!

Wir dokumentieren hier eine aktuelle Stellungnahme des Frauenverbands COURAGE zu den sexuellen Übergriffen gegen Frauen in der Silvesternacht.

Für fast 100 Frauen in Köln geriet die Silvesternacht 2015 zum Albtraum: von Gruppen Betrunkener umzingelt, brutaler Anmache und Gewalt ausgesetzt. 140 Polizisten waren nach Angaben des Kölner Polizeipräsidenten Albers vor Ort und griffen offenbar nicht ein. Viele Medien behaupten in den nächsten Tagen in ihrer Berichterstattung, es handle sich um 1000 Täter aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum. Allen voran erklärt Innenminister Ralph Jäger (SPD) zu einem Zeitpunkt, als die Ermittlungen noch gar nicht begonnen haben:

"Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen."

Absicht oder Versehen? Wir halten es mit der Kölner Oberbürgermeisterin Reker: „Spekulationen über die Täter sind absolut unzulässig". (Kölner Stadtanzeiger, 5.1.16)

In einem Bericht des Justizministers von NRW, Thomas Kutschaty (SPD), wird festgestellt, dass „im Zusammenhang mit dem Zustrom von Flüchtlingen erfasste Straftaten lediglich einen Anteil von 0,04% an den 2014 insgesamt registrierten Straftaten haben.“ Ähnliche Zahlen gibt es bereits zum Jahr 2015.

Die bösartige Gewalt gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln und auch anderen Städten hat mit der Zahl der Flüchtlinge in Deutschland oder mit ihren Herkunfts-ländern überhaupt nichts zu tun. Wir verurteilen diese Gewalt gegen Frauen und fordern die Ermittlung der Täter und ihre Bestrafung - ohne Hetze gegen Asyl-bewerber und Flüchtlinge aus welchem Land auch immer!

 

Wie entsteht Gewaltbereitschaft gegen Frauen?

 

Gewalt gegen Frauen entwickelt sich u.a. aus patriarchalen Denkstrukturen, die Frauen als weniger wert erachten und für die Frauen deshalb Freiwild sind. Leidtragende sind auch viele Flüchtlingsfrauen, die aus ihrem Land geflohen sind, um der alltäglichen Gewalt zu entkommen. In Deutschland gelten ihre Herkunftsländer jedoch als „sicher“, da Gewalt gegen Frauen als Fluchtgrund in der Praxis oft nicht anerkannt wird. Oder ihre Länder werden einfach zu sicheren Herkunftsländern um etikettiert.

Auch in Deutschland hat jede Dritte Frau im Alter zwischen 15 und 65 Jahren Erfahrungen mit sexueller, psychischer oder körperlicher Gewaltanwendung gemacht. Die Beschäftigten im Erziehungs- und Sozialwesen haben im letzten Jahr gegen die Geringschätzung und schlechte Bezahlung der wertvollen gesellschaftlichen Arbeit von Frauen gestreikt und damit ein Zeichen gegen die strukturelle Gewalt an Frauen gesetzt.

Und Gewalt gegen Frauen wird in unserer Gesellschaft von einer dekadenten Pornografiekultur angeheizt, in der Frauen als Ware gehandelt werden und in der eine unmenschlichen Sex-“Industrie“ Milliardenumsätze macht. Quer durch Deutschland - und speziell in Köln - sieht man auf Plakatwänden große Anzeigen von Bordellbetreibern in denen „100 girls...“ „angeboten“ werden. Die Betreiber des Pascha, eines der größten Flatrate-Bordelle, unterhalten zu Werbezwecken einen gemeinnützigen(!) Verein!

Bei Christian Pfeiffer, dem Leiter des Kriminologischen Instituts Niedersachsen (KFN), können wir wissenschaftliche Studien darüber finden, welche Einflüsse es auf Gewalt-bereitschaft gibt. Er hat in einer Untersuchung von 10 000 Jugendlichen in westdeutschen Großstädten herausgefunden, dass sie bei Jugendlichen aus der Türkei, aus Ex-Jugoslawien oder aus Russland deutlich höher ist als bei deutschen Jugendlichen. Pfeiffer erklärt das mit dem Einfluss von patriarchalen Strukturen in den Elternhäusern. Viele der Jugendlichen, so Pfeiffer, erlebten in der eigenen Familie Gewalt gegen ihre Mütter oder würden selbst geschlagen. Perspektivlosigkeit tut ihr Übriges. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund sind deutlich häufiger von mangelnden Berufschancen oder von Arbeitslosigkeit betroffen.

Aber was wird als Schlussfolgerung in den Medien und von Politikern angeboten? Mehr Überwachungskameras, mehr Polizeipräsenz!

Die gesamte Debatte sucht überhaupt nicht die Ursachen und deren Bekämpfung, sondern spielt Pegida, AFD und Faschisten in die Hände, die solche Vorfälle nutzen, um für ihre fremdenfeindlichen Parolen neue Anhänger zu finden. Spitzenpolitiker vor allem der CDU führen heuchlerisch den Schutz der Frauen ins Feld, um eine verschärfte Abschiebepraxis durchzusetzen und erhoffen sich dafür eine Rechtfertigung und größere Akzeptanz zu finden. Das lehnen wir entschieden ab!

 

Wir Couragefrauen wissen, wie schwer es ist, mit kämpferischen Aktionen und Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen – bei dem alle Formen der Gewalt an Frauen, insbesondere auch die strukturelle Gewalt und ihre Hintergründe ins Visier genommen werden - in bundesweite Schlagzeilen zu kommen. Und Courage selbst ist von Gewalt betroffen, denn wir stehen im vierten Jahr unseres Kampfes gegen die Aberkennung unserer Gemeinnützigkeit.

 

  • Wir fordern die restlose Aufklärung der Geschehnisse in Köln und Bestrafung der Täter!
  • Wir beteiligen uns an Protestaktionen!
  • Wir unterstützen die betroffenen Frauen!
  • Und wir bleiben dabei: "Welcome, refugees!"
  • Gewalt an Frauen hat System – dem können wir nur organisiert und weltweit verbunden begegnen.
Essen steht Auf-Zeitung

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